Lohn- und Vertragsverhandlungen 2012 abgebrochen
Zwischen dem Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) und dem Schweizerischen Metzgereipersonal- Verband (MPV) kommt es zu keiner Einigung. Die Verhandlungen, die Mitte September 2011 stattfanden, sind ergebnislos abgebrochen worden.
Albino Sterli, Präsident MPV, weist jegliche Schuldvorwürfe von sich und bedauert es zutiefst, dass sich die beiden Sozialpartner nicht einigen konnten. Giusy Meschi, Geschäftsführerin MPV, ergänzt: «Wir waren sehr zuversichtlich und es hat nichts darauf hingedeutet, dass wir die Verhandlungen abbrechen werden.» Im Vorfeld der Ver-handlungen wurde auf ausdrücklichem Wunsch des SFF und im Einverständnis mit dem MPV die Verlängerung der Allgemeinverbindlichkeiten des GAV auf der Basis 2011 bis zum 31. Dezember 2014 beantragt und entschieden. Was Ende August 2011 mit dem SFF ausgemachte Sache schien, wurde an den Verhandlungen wieder über Bord geworfen. «Während der Verhandlungen zeigte sich, dass der SFF nachträglich Änderungen im GAV durchboxen wollte», erklärt Meschi die Situation. «Diese konnte der MPV nicht hinnehmen. Die Aenderungen hätten uns nicht nur einen Schritt, sondern sogar in die Zeit vor 2010 zurück-geworfen.» Im Kern ging es um die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. Nachdem die Sozialpartner auf 2011 nach fünfzehn-jährigem Ringen die obligatorische Krankentaggeldversicherung im GAV verankert hatten, mit klaren Regelungen zu Lohnfortzahlungen, wollte der SFF diese wieder aus dem GAV kippen. «Vorläufig und bis auf weiteres gilt der GAV auf der Basis 2011, der bis 31. Dezember 2014 verlängert wurde», sagt Meschi.
Der MPV vertritt mit fast 3500 Mitgliedern rund 23 Prozent der Arbeitnehmenden im schweizerischen Fleischgewerbe. «Wir sind an Lösungen interessiert, die zum Wohle und zur Steigerung der Attraktivität der Branche beitragen», umschreibt Meschi die Aufgabe des MPV. Der Verband setzt sich pro-aktiv für vernünftige Lohnforderungen für die Mitarbeitenden im Fleischgewerbe ein. Deshalb schlug der MPV zwei wichtige Lohnforderungen zur Diskussion vor. Einerseits wollte der MPV den Mindestlohn im ersten Jahr nach der beruflichen Grundbildung um 130 Franken auf 4000 Franken anheben, andererseits setzte er sich zum Ziel, die Bruttolohnsumme für 2012 für alle Mitarbeitende generell um 2 Prozent zu erhöhen. Die Vertreter des SFF haben dem MPV an der Sitzung un-missverständlich zu verstehen gegeben, dass über Lohnerhöhungen nicht diskutiert wird. «Dass diese abgeschmettert wurden, zeugt von einer ablehnenden Wertschätzung allen Arbeitnehmenden im Fleischgewerbe gegenüber », sagt Meschi und ergänzt, dass sie unter konstruktiver Zusammenarbeit etwas anderes verstehe.
Höhere Branchenlöhne sollten dazu beitragen, einerseits dem Mangel an geeignetem Personal und der Abwanderung von qualifiziertem Nachwuchs in andere Branchen entgegenzuwirken. «Eine Nullrunde verbessert die angespannte Situation in keiner Weise. Und letztlich ist sie auch keine Garantie, dass die Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten bleiben», sagt Meschi. «Der MPV konnte weder der Verschlechterung der Allgemeinbedingungen des GAV noch der Nullrunde zustimmen», erklärt MPV Präsident Sterli den nötigen Schritt, die Verhandlungen abzubrechen.
(MPV-Geschäftsstelle)
