«Nicht der Kunde kommt zuerst, sondern der Mitarbeiter.

Kümmern Sie sich um Ihre Mitarbeiter,

diese kümmern sich um Ihre Kunden.»

Richard Branson, Unternehmer

 

Liebe MPV-Mitglieder

Geschätzte Leserinnen und Leser

 

Würden sich alle Arbeitgebende an diese Devise halten, würde dies mit Sicherheit zur Attraktivitätssteigerung unserer Branche beitragen und dem chronischen Fachkräftemangel entgegenwirken.

Das wertvollste Kapital einer Firma sind die Mitarbeitenden. Es liegt in den Händen der Arbeitgeberseite, diesem wichtigen Teil der Wertschöpfungskette Sorge zu tragen. Dies geschieht einerseits mit der nötigen Wertschätzung und andererseits sollen Mehrarbeit und Umsatzsteigerung eines Unternehmens auch monetär abgegolten werden.

Die Vorzeichen für die Lohnverhandlungen 2021 zwischen dem Schweizer Fleisch-Fachverband und dem MPV waren ungünstig. Dennoch erhofften wir uns minimale Zugeständnisse des SFF. Leider vergebens, wie sich zeigte. Wie zu erwarten , wollte die SFF-Delegation nicht auf die moderate, bereits den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechende Eingabe unseres Berufsverbandes um individuelle Lohnerhöhung eingehen, denn die Arbeitgeberseite sprach sich für eine undefinierte individuelle Lohnerhöhung auf Empfehlung aus. Wir alle wissen, wie mit Empfehlungen verfahren wird. Die von SFF-Seite vorgebrachten Einwände gegen eine mindestens individuell gewährte Lohnerhöhung an die während der Corona-Zeit ach so dringend benötigten systemrelevanten, unzählige Zusatzstunden leistenden Mitarbeitenden, waren nur teilweise nachvollziehbar. Sie zeugten unserer Wahrnehmung nach wieder einmal nicht nur von mangelnder, sondern von absolut fehlender Wertschätzung ihrer Mitarbeitenden.

Der Detailverkauf in der Lebensmittelbranche ist glücklicherweise eine der Branchen, die trotz Corona konstant wächst und voraussichtlich bis Ende dieses Jahres weiterhin wachsen wird. Diese Wachstumssteigerung ist auch oder vor allem dank der Flexibilität und Leistungsbereitschaft der Belegschaften möglich. Wir freuen uns, dass die Branche floriert, können es aber weder verstehen noch nachvollziehen, dass das Personal seitens SFF-Gremium mindestens für ebendiese ausserordentliche Leistungsbereitschaft in keiner Weise honoriert wird. Es kann nicht sein, dass wegen einer Minderheit der Betriebe in der Fleischbranche, die zweifelsohne Umsatzeinbussen einfahren musste, der grosse Rest in der Branche leer ausgehen soll (denn genau dies wäre «auf Empfehlung!» zu erwarten).

Wir sind überzeugt, dass sich eine weitsichtige, wohlwollende Entscheidung positiv auf die Mitarbeitenden ausgewirkt hätte. Ihre Leistungsbereitschaft und das Verständnis für schwierige Situationen wären hoch geblieben und mit einer Lohnerhöhung hätte ein positives Zeichen gesetzt werden können. Der Reputation der Metzgereibranche wäre eine solche Entscheidung bestimmt zuträglich gewesen.

Das Positive zum Schluss: Für die Branche sprechen die bereits 2019 hart ausgehandelten neuen Minimallöhne und die neuen Lohnkategorien, geltend ab 2021. Wir sind stolz darauf, dass die Bandbreite der Lohnerhöhungen von Fr. 150.00 – Fr. 275.00, je nach Kategorie, ausfällt.

Wir hoffen auf die Weitsichtigkeit von Unternehmen, denn nicht der Kunde kommt zuerst, sondern der Mitarbeiter.

 

Scheinbar fand nach Beendigung der offiziellen Verhandlungsrunde innerhalb des SFF-Gremiums – auch aufgrund des vorausgegangenen überaus kämpferischen MPV-Einsatzes – doch noch ein Sinneswandel statt. Aus der eingegangenen SFF-Mitteilung konnten wir überaus erstaunt entnehmen, dass die Arbeitgeberseite praktisch sämtliche MPV-Argumente für eine Lohnerhöhung übernommen hat. Schade, dass es bei einer Empfehlung geblieben ist.

 

Albino Sterli, MPV-Präsident                                                     Giusy Meschi, Geschäftsführerin MPV